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Patrick Wallinger sitzt lächelnd in einem dunkelblauen Hoodie auf einem blauen Sofa vor einem farbenfrohen Gemälde.

Wann haben wir verlernt, auf andere zu achten? Und was haben all die Glücksratgeber damit zu tun?

Der erste Montag nach dem Urlaub. Man kommt zurück, der Schreibtisch ruft wieder, aber der Kopf ist glücklicherweise noch ein bisschen auf Distanz zum Alltag. Wenn man ein paar Tage raus ist und das Tempo drosselt, beobachtet man die Welt um sich herum plötzlich mit einem ganz anderen Blick. An der Strandpromenade, am See, in der Schlange vorm Eisstand. Man hat Zeit, die Menschen einfach mal nur zu beobachten. Und je länger getan habe, desto öfter drängte sich mir ein Gedanke auf, den ich heute einfach mal aufschreiben musste. 

Wann haben wir eigentlich aufgehört, auch auf die Menschen um uns herum zu achten, statt immer nur auf uns selbst? 

Glück. Zufriedenheit. Selbstfindung. Mentale Stärke. Selbstoptimierung. Mindset. Grenzen setzen. Nein sagen. Sich selbst priorisieren. 

Ein erheblicher Teil der heutigen Ratgeber beschäftigt sich mit der Frage: 

 

Wie geht es MIR besser? 

 

Und versteht mich nicht falsch: Vieles davon ist wichtig und richtig. 

Aber nach Jahrzehnten der Selbstfindung und Selbstoptimierung frage ich mich: 

 

Geht es uns eigentlich besser? Und vor allem: Ist unser Miteinander besser geworden? 

 

Mir kommt es manchmal so vor, als hätten wir gelernt, unsere eigenen Bedürfnisse immer genauer wahrzunehmen und gleichzeitig ein wenig verlernt, die Bedürfnisse der Menschen um uns herum wahrzunehmen. 

Dabei geht es gar nicht um große Dinge. 

Es geht um die berühmten fünf Sekunden, in denen man einen Schritt weiterdenkt. 

 

Starnberger See. 

 

Zwischen Liegewiese und Wasser verläuft ein Rad- und Fußweg. Natürlich kann ich dort mit meinem Carbonbike möglichst schnell durchfahren. 

Ich kann aber auch denken: Badebereich. Familien. Kleine Kinder. Vielleicht fahre ich hier einfach etwas langsamer. 

Umgekehrt können Eltern ihren Kindern erklären, dass sie vor dem Überqueren des Weges schauen sollen. 

Beide Seiten denken kurz an die andere. 

Eigentlich einfach, oder? 

 

Einkaufswagen. 

 

Stell ihn zurück. 

Auch wenn nur ein Plastikchip drinsteckt. 

Und stell ihn beim Einkaufen nicht quer in den Gang, sodass alle anderen Slalom fahren müssen. 

 

Supermarktkasse. 

 

Du weißt seit fünf Minuten, dass du gleich bezahlen musst. 

Vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, schon mal den Geldbeutel herauszuholen. 

Verrückter Gedanke. 😄

 

Isar, Gärtnerplatz, Park. 

 

Feiern? Unbedingt. 

Grillen? Klar. 

Aber vielleicht nehmen wir eine Mülltüte mit und hinterlassen den Platz so, dass die nächsten Menschen ihn genauso benutzen können. 

Ich weiß. 

Das klingt langsam verdächtig nach Spießer. 

Als Nächstes kaufe ich mir einen Laubbläser. 😄 

Aber vielleicht ist das gar nicht konservativ. 

Vielleicht ist es einfach vorausschauend. 

Und kürzlich ist mir etwas passiert, das die andere Seite davon wunderbar zeigt. 

Ich musste schnell zum Bankautomaten, weil ein Geschäft tatsächlich nur Bargeld akzeptierte. Meine Laune war entsprechend hervorragend. 

In der Bank sprach mich eine ältere Dame an: 

Ob ich ihr helfen könne, ihre Kontoauszüge auszudrucken. 

Ich gebe zu: Ich musste kurz Luft holen. 

Dann habe ich ihr natürlich geholfen. 

Die Dame hat sich riesig gefreut. 

Und danach? 

 

Ging es mir selbst besser. 

 

Fast heldenhaft. 😄 

Und vielleicht liegt genau darin etwas, das wir bei all der Selbstoptimierung übersehen: 

 

Wir müssen nicht immer etwas für uns tun, damit es uns besser geht.

 

Manchmal reicht es, jemand anderem das Leben für einen Moment leichter zu machen. 

Tür aufhalten. 

Bitte und Danke sagen. 

Nicht mitten im Weg stehen bleiben. 

Jemanden aussteigen lassen, bevor man selbst einsteigt. 

Seinen Müll mitnehmen. 

Pünktlich sein. 

Den Einkaufswagen zurückbringen. 

Oder einer älteren Dame fünf Minuten schenken. 

Keine dieser Sachen wird unser Leben revolutionieren. 

Aber wenn jeder von uns im Alltag ein bisschen häufiger denkt: 

 

„Was kann ich gerade tun, damit es für die Menschen um mich herum ein kleines bisschen einfacher wird?“ 

 

… dann brauchen wir vielleicht nicht noch einen Ratgeber darüber, wie wir selbst glücklicher werden. 

Vielleicht werden wir es ganz nebenbei. 

P.S.: Zu diesem Thema gibt es tatsächlich erstaunlich wenige Bücher. Eines davon heißt

 

„Freundlichkeit bewegt – Soziale Stärke durch ein wohlwollendes Miteinander“ von Roland Gebert. 

 

Bezeichnenderweise hat es bei Amazon bislang kaum Bewertungen. 

 

 

Vielleicht sind wir einfach noch zu beschäftigt mit uns selbst. 😉 

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