Zum Inhalt
SALESommer-Sale-Finale mit bis zu -50 %
Kostenloser Versand ab 59 €
30 Tage Rückgaberecht
Sichere Zahlung
Trusted Shops Käuferschutz
Zwei Kinder präsentieren farbenfrohe Babauba-Kleidung vor einer Kleiderstange mit vielfältigen Shirts, Kleidern und Hoodies.

Muss Kinderkleidung wirklich nach Geschlecht getrennt sein?

Was die Forschung sagt. Was die Geschichte zeigt. Und warum wir bei Babauba keine Jungen- und Mädchenabteilung haben.

Geht einmal in ein beliebiges Kinderbekleidungsgeschäft. Stellt euch in die Mitte und schaut euch um.

Links: Blau, Dunkelblau, Grau, Schwarz. Bagger, Dinosaurier, Feuerwehr, „Cool Dude“.

Rechts: Rosa, Pink, Lila, Pastell. Einhörner, Herzen, Schmetterlinge, „Little Princess“.

Jetzt fragt euch: Wer hat das so entschieden? Welches Kind hat sich hingesetzt und gesagt: „Ich bin ein Junge, also will ich Dunkelblau und einen Bagger darauf“?

Keines. Das waren nicht die Kinder. Das waren wir: die Erwachsenen, die Industrie und die Regale, die links und rechts aufteilen, als wäre Kleidung eine Grenze.

Eine kurze Geschichte der Farben

Was viele Menschen nicht wissen: Die heute vertraute Zuordnung von Pink zu Mädchen und Blau zu Jungen ist weder naturgegeben noch unveränderlich. Sie hat sich historisch entwickelt – und war lange weniger eindeutig, als sie uns heute erscheint.

Vor 1920: Weiß für alle

Bis ins späte 19. und frühe 20. Jahrhundert waren Kinderkleider in Europa und Nordamerika häufig weiß oder pastellfarben. Jungen und Mädchen trugen Röckchen. Eine feste geschlechtliche Codierung über Farben spielte bei kleinen Kindern eine deutlich geringere Rolle.

1910–1920: Uneinheitliche Regeln für Rosa und Blau

In Modezeitschriften und Kaufhäusern in den USA und Europa finden sich aus dieser Zeit unterschiedliche Empfehlungen. Manche ordneten Rosa den Jungen und Blau den Mädchen zu, andere vertraten bereits die heute vertraute Zuordnung. Eine einheitliche Regel gab es nicht.

Ein oft zitiertes Beispiel stammt aus der Handelszeitschrift The Infants’ Department. Dort hieß es 1918:

„Die allgemein akzeptierte Regel ist Rosa für Jungen und Blau für Mädchen.“
The Infants’ Department, 1918

Noch 1927 veröffentlichte das Time Magazine eine Übersicht mit Kaufhäusern, die teils Rosa für Jungen und Blau für Mädchen empfahlen – während andere Händler genau das Gegenteil vertraten. Historisch war das System also keineswegs so fest, wie es heute oft erscheint.

Wie wurde daraus Blau = Jungen, Rosa = Mädchen?

Die Antwort liegt nicht in einem einzelnen Ereignis, sondern in einem Zusammenspiel aus Mode, Konsumkultur und gesellschaftlicher Symbolik.

Kaufhäuser und Massenmode

Mit konfektionierter Kinderkleidung im frühen 20. Jahrhundert brauchte der Handel einfache, verkaufbare Ordnungen. Die Farbcodierung nach Geschlecht bot ein simples Raster, um Sortimente zu strukturieren, Waren voneinander abzugrenzen und Eltern eine vermeintliche Orientierung zu geben.

Arbeitskleidung und Nachkriegsrollen

Blau war eng mit Marine, Arbeitsanzügen und Jeans verbunden. Während des Zweiten Weltkriegs übernahmen viele Frauen zuvor männlich gelesene Tätigkeiten und trugen ebenfalls entsprechende Arbeitskleidung. In der Nachkriegszeit wurden traditionelle Rollenbilder erneut stark vermarktet – und damit auch klarer getrennte Bildwelten für Frauen und Männer.

Die 1950er und Mamie Eisenhower

In den USA wurde Rosa in den 1950er-Jahren massiv als Hausfrauen- und Mädchenfarbe inszeniert. Mamie Eisenhower, die First Lady, trug öffentlich häufig Rosa – bis hin zu ihrem rosafarbenen Ballkleid zur Amtseinführung. Werbung und Popkultur griffen dieses Bild auf und verstärkten die Verbindung zwischen Rosa und einer freundlich-häuslichen Weiblichkeit.

Babyboom und Doppelvermarktung

Spielwaren-, Möbel-, Textil- und Kosmetikindustrie übernahmen und verstärkten das Schema: rosa Verpackungen, Puppen und Kinderzimmer für Mädchen; Blau, Marine und Jeansoptik für Jungen. Wenn Schwester und Bruder nicht dieselben neutralen Sachen tragen können, lässt sich vieles doppelt verkaufen.

In einem Satz: Niemand hat offiziell „Blau = Jungen, Rosa = Mädchen“ beschlossen. Die heutige Zuordnung entstand schrittweise aus historischen Symboltraditionen, der Industrialisierung der Mode und immer stärkerem geschlechtsspezifischem Marketing.

Eine kurze Gegenbewegung in den 1970ern

Die Frauenbewegung der 1960er- und 1970er-Jahre brachte eine Phase geschlechtsneutralerer Kinderkleidung. Der Sears-Katalog zeigte laut der Modehistorikerin Jo B. Paoletti zwei Jahre lang kein einziges Kleinkind in Pink. Ab den 1980er-Jahren gewann geschlechtsspezifisches Marketing wieder an Kraft. Pränatale Untersuchungen machten es zudem möglich, schon vor der Geburt gezielt als „für Jungen“ oder „für Mädchen“ vermarktete Produkte zu kaufen.

Was die Forschung wirklich zeigt

Die Psychologinnen Vanessa LoBue von der Rutgers University und Judy DeLoache von der University of Virginia untersuchten in einer großen Studie fast 200 Kinder im Alter von sieben Monaten bis fünf Jahren. Jedem Kind wurden acht Paare von Gegenständen gezeigt, bei denen jeweils ein Objekt pink war.

Im Säuglingsalter zeigte sich keine besondere Vorliebe für Pink. Ab ungefähr zwei Jahren entwickelten sich jedoch Unterschiede: Mädchen griffen häufiger zu pinken Gegenständen, während Jungen Pink zunehmend mieden. Besonders deutlich wurde dieser Unterschied um den dritten Geburtstag.

Wang I. Wong und Melissa Hines beobachteten in einer weiteren Studie ebenfalls, dass geschlechtstypische Vorlieben für Pink und Blau zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr sichtbar werden und sich um den dritten Geburtstag verstärken.

Eine 2019 veröffentlichte Untersuchung mit Kindern zwischen 10 und 14 Jahren sowie Erwachsenen zeigte zugleich: Blau war in allen untersuchten Alters- und Geschlechtsgruppen die beliebteste Farbe. Die Forschenden betonen, dass Farbvorlieben komplex sind und durch soziale Bedeutungen und Geschlechterstereotype mitgeprägt werden.

Die Kernaussage: Die untersuchten Babys zeigten noch keine geschlechtsspezifische Vorliebe für Pink. Die deutlicheren Unterschiede entwickelten sich erst ab etwa zwei bis drei Jahren – in einem Alter, in dem Kinder auch Geschlechtskategorien und die damit verbundenen gesellschaftlichen Erwartungen kennenlernen.

Es geht nicht nur um Farben

In ihrer 2018 an der Humboldt-Universität zu Berlin eingereichten Masterarbeit analysierte Sandra Tausch 3.860 Kinderoberteile aus zehn Online-Shops. Sie untersuchte die aufgedruckten Sprüche und Motive und kam zu dem Ergebnis, dass Kinderkleidung stark geschlechtlich codiert ist.

Auf Jungenkleidung dominierten Wörter wie „Cool“, „Skate“, „Rock“, „Adventure“ und „Explore“. Jungen wurden als starke Abenteurer dargestellt. Auf Mädchenkleidung fanden sich häufiger Wörter wie „Love“, „Smile“, „Star“, „Magic“ und „Unicorn“. Mädchen erschienen eher als fröhliche und verträumte Wesen.

Daraus ergibt sich eine wichtige Frage: Wenn wir in einer Gesellschaft leben möchten, in der Berufe wie Feuerwehrfrau oder Handwerkerin selbstverständlich von Menschen aller Geschlechter ausgeübt werden, warum suggerieren wir Kindern dann durch Kleidung, dass bestimmte Rollen nur für Jungen gedacht sind?

Ein Mädchen, das auf dem eigenen T-Shirt keine Feuerwehrfrau sieht, muss erst gedankliche Barrieren überwinden, um sich selbst in dieser Rolle vorzustellen. Ein Junge, der auf seiner Kleidung nur „Cool Dude“ und Bagger sieht, bekommt selten das Signal, dass Empathie und Sanftheit ebenso zu ihm gehören.

Andere Stimmen

Das britische Kaufhaus John Lewis entfernte 2017 bei seiner Eigenmarke die getrennten „Jungen“- und „Mädchen“-Labels. Caroline Bettis, damals Leiterin der Kindermode, begründete den Schritt so:

„Wir wollen mit unseren Kollektionen keine Geschlechterstereotypen verstärken.“
Caroline Bettis, John Lewis, 2017

Stattdessen sollte die Kundschaft mehr Auswahl erhalten, damit Eltern oder Kinder selbst entscheiden können, was sie gerne tragen möchten.

Die britische Elterninitiative Let Clothes Be Clothes brachte den Gedanken ähnlich auf den Punkt:

„Ein T-Shirt sollte einfach nur ein T-Shirt sein – nicht eines nur für Mädchen oder nur für Jungen.“
Let Clothes Be Clothes

Und der Schuhhersteller Clarks zog 2017 einen Mädchenschuh namens „Dolly Babe“ zurück, nachdem er wegen sexistischer Produktnamen kritisiert worden war. Das vergleichbare Modell für Jungen hieß „Leader“. Manchmal braucht es solche Momente, damit sichtbar wird, wie tief diese Muster sitzen.

Wie wir bei Babauba damit umgehen

Bei Babauba gibt es keine Jungenabteilung und keine Mädchenabteilung. Es gibt Kleidung.

Dinosaurier, Blumen, Feuerwehr, Schmetterlinge, Planeten, Faultiere und Bienen – für alle. Wir sortieren nach Mustern und Größen, nicht nach Geschlecht.

Nicht, weil wir eine politische Aussage machen wollen, sondern weil wir unsere eigenen Kinder beobachtet haben – und die Kinder unserer Kundinnen und Kunden. Kinder greifen nach dem, was ihnen gefällt. Sie sortieren nicht nach Geschlecht. Sie sortieren nach Farbe, Muster und Gefühl.

Ein Junge, der Feuerwehr liebt, greift zur Feuerwehr. Ein Mädchen, das Feuerwehr liebt, greift zur Feuerwehr. Der einzige Unterschied ist manchmal, dass wir bei dem einen nicken und bei dem anderen stutzen.

Vielleicht sollten wir einfach öfter aufhören zu stutzen.

Unsere Kundinnen und Kunden sagen uns regelmäßig: „Endlich bunte Kleidung für Jungs!“ Das ist einer der häufigsten Gründe, warum Eltern bei uns bestellen. In unserer letzten Umfrage waren „die bunten und besonderen Designs“ für 44 % der Befragten der Hauptkaufgrund. Nicht, weil bunte Kleidung für Jungen eine Revolution ist, sondern weil der Markt sie noch immer zu selten anbietet.

43 % unserer Kundinnen und Kunden sagen, dass sie bei anderen Marken vor allem stört, dass die Kleidung „zu langweilig oder eintönig“ ist. Das sagt eigentlich alles.

Was wir uns wünschen

Wir wollen niemandem vorschreiben, was Kinder tragen sollen. Wer seine Tochter in Rosa kleidet, macht nichts falsch. Wer seinem Sohn ein blaues Shirt kauft, macht ebenfalls nichts falsch.

Aber wir wünschen uns, dass die Entscheidung bei den Kindern liegt. Nicht bei den Regalen. Nicht bei der Industrie. Nicht bei dem, was Instagram als „normal“ zeigt.

Der französische Historiker Michel Pastoureau beschreibt Farben als kulturelle Bedeutungsträger. Sie spiegeln gesellschaftliche Vorstellungen, Machtverhältnisse und soziale Hierarchien. Vielleicht ist es Zeit, dass wir aufhören, unsere Kinder durch Farben zu sortieren – und stattdessen einfach fragen:

Was willst du tragen?

Lasst Kinder einfach Kinder sein.


Quellen und weiterführende Links

Vorherigen Post Nächster Beitrag