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Mein Freund ist Vater geworden. Wenn aus der Theorie Praxis wird.

Mein Freund ist Vater geworden. Wenn aus der Theorie Praxis wird.

Einer meiner engsten Freunde ist Vater geworden.

Es hat ein bisschen gedauert, bis ich ihn telefonisch erreicht habe. Als wir schließlich miteinander gesprochen haben, lag sein kleiner Sohn auf seiner Brust und schlief.

Ich war nicht bei ihm, aber dieses Bild war sofort in meinem Kopf: mein Freund, jetzt Papa. Sein Sohn ganz nah bei ihm. Der Kleine, der noch gar nicht wissen kann, wie viel er im Leben seiner Eltern bereits verändert hat.

Er sagte, die junge Familie befinde sich in einer Ausnahmesituation. Vier Wochen nach der Geburt.

„Ausnahmesituation? Eher ein Grund zur Freude, oder?“ Schweigen.

Offenbar hatte ich vergessen, wie sich die allgegenwärtige Unsicherheit nach der Geburt des ersten Kindes anfühlt. Wie schnell alles zu Stress werden kann, obwohl da eigentlich nur ein kleiner Mensch ist, der schläft, trinkt und schreit.

Mein Freund ist ein sehr reflektierter, analytischer Mensch. Er denkt gründlich nach, möchte Dinge verstehen und betrachtet sie von verschiedenen Seiten. Das schätze ich sehr an ihm. Und nun stellt er Fragen, auf die auch Google keine fertigen Antworten hat:

Wie verändert sich unser Leben? Wie finden wir uns als Familie? Was passiert mit unserer Beziehung, wenn plötzlich jemand da ist, der lauter ist als alles andere? Und wie werde ich der Vater, der ich für meinen Sohn sein möchte?

Ein kleiner Mensch, große Fragen

Vor der Geburt kann man viel planen. Man kann sich informieren, Dinge besorgen, die Elternzeit besprechen und darüber nachdenken, wie der Alltag werden soll.

Und dann ist das Baby da. Mit eigenen Bedürfnissen, die man erst kennenlernen muss. Mit einem Rhythmus, der sich kaum nach dem bisherigen Kalender richtet. Und mit einer Nähe, die man sich vorher vielleicht gar nicht richtig vorstellen konnte.

Viele frischgebackene Eltern kennen ähnliche Fragen: Verstehen wir unser Baby richtig? Geht es ihm gut? Werden wir das alles schaffen? Dazu kommen finanzielle Überlegungen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Sorge, den eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Schlafmangel kann all das noch schwerer machen.

Es ist ein Paradox: Man bereitet sich so gut und so intensiv wie möglich vor. Aber auf etwas, das man noch nicht kennt, kann man sich nur begrenzt einstellen. Man lernt es erst mittendrin.

Wie lässt sich der eigene Sohn beruhigen? Was gefällt ihm? Wann braucht man selbst eine Pause, obwohl man sich keine erlauben möchte? Und welche Vorstellungen vom Familienalltag muss man leise verabschieden, weil die Realität sich nicht an den Plan hält?

Elternwerden heißt nicht, vom ersten Tag an alle Antworten zu kennen. Es heißt, einander jeden Tag ein bisschen besser kennenzulernen.

Wie bleiben wir ein Paar?

Diese Frage gehört für mich genauso dazu.

Mit dem ersten Kind verändert sich nicht nur der Alltag. Auch die Beziehung verändert sich – und darüber wird selten ganz ehrlich gesprochen. Aufgaben müssen neu verteilt werden, gemeinsame Zeit wird knapper und die Bedürfnisse des Babys bestimmen zunächst vieles, Tag und Nacht. Da reicht Müdigkeit allein schon für Spannung.

Vielleicht waren die Gespräche früher voller Pläne für das Wochenende. Jetzt geht es darum, wer wann geschlafen hat, wer die nächste Windel übernimmt und wer den Kinderarzttermin organisiert.

Das klingt unromantisch. Ist es manchmal auch. Aber es ist ehrlich.

Beide müssen ihren Platz in diesem neuen Leben erst finden. Die Mutter braucht nach Schwangerschaft und Geburt Raum für Erholung. Der Vater sucht seinen eigenen Zugang zum Kind, der am Anfang vielleicht anders aussieht, als er es sich vorgestellt hat. Väter dürfen dabei ihren eigenen Weg finden. Sie machen manches anders – und genauso gut.

Und beide haben weiterhin Bedürfnisse, auch wenn es sich anfühlt, als wäre dafür gerade kein Platz.

Nähe sieht in dieser Zeit manchmal ganz unspektakulär aus: ein vorbereitetes Essen, ein verständnisvoller Blick oder ein „Leg dich hin, ich übernehme.“

Auch darin steckt Liebe. Vielleicht die ehrlichste.

Was macht einen guten Vater aus?

Bei dieser Frage bin ich während unseres Gesprächs gedanklich hängen geblieben.

Wer viel reflektiert, sieht viele Möglichkeiten, etwas gut zu machen – und wahrscheinlich ebenso viele, etwas falsch zu machen. Man denkt darüber nach, welche Werte man weitergeben möchte, was man aus der eigenen Kindheit übernehmen will und was vielleicht anders werden soll.

Ich wünsche meinem Freund vor allem, dass zwischen all den Fragen auch Vertrauen wachsen kann. Und dass Geduld mit sich selbst zur Tugend wird.

Ein Baby zu verstehen ist ein Lernprozess. Es braucht verlässliche Fürsorge und Eltern, die auf seine Bedürfnisse eingehen. Dafür müssen sie nicht perfekt sein.

Eltern müssen nicht perfekt sein.

Für mich heißt das: Ein Vater darf nachfragen. Er darf seine Meinung ändern und an einem Tag sicherer sein als am nächsten. Und er darf sich Unterstützung holen, wenn er sie braucht – bei der Hebamme, bei Menschen, denen er vertraut, oder bei einer Beratungsstelle.

Ein Wickelbody, der mir besonders am Herzen liegt

Für den Sohn meines Freundes habe ich eigens einen Wickelbody entworfen.

Das war für mich etwas sehr Persönliches. Etwas für das Kind eines Menschen zu gestalten, der mir viel bedeutet, fühlt sich besonders an.

Seit unserem Telefonat gehört für mich zu diesem Body auch das Bild des Kleinen auf der Brust seines Papas. Ein Kleidungsstück bekommt plötzlich eine Geschichte. Man denkt an die Familie, für die es bestimmt ist, und an diesen Anfang, den sie gerade miteinander erlebt.

Solche Geschichten gehören für mich zu Babauba. Unsere Kleidung begleitet Kinder und ihre Familien im Alltag. Dieser Alltag ist voller schöner Augenblicke, aber eben auch voller Fragen, Müdigkeit und neuer Erfahrungen.

Heute lernen sie einander kennen

Ich wünsche meinem Freund, dass er seine Fragen stellen kann. Dass er Antworten findet, wenn er sie braucht. Und dass er sich erlaubt, manches noch offen zu lassen.

Vor allem wünsche ich ihm, dass er diese Zeit genießen kann. Denn auch das ist wahr: Sie geht schnell vorbei, und später wünscht man sich vielleicht einen kleinen Teil davon zurück.

Er muss heute noch nicht wissen, wie er jede Herausforderung der nächsten Jahre meistern wird.

Heute lernt er seinen Sohn kennen. Und sein Sohn lernt ihn kennen: seine Stimme, seine Nähe und die Art, wie er ihn hält.

Ich fühle mich geehrt, meinem Freund etwas aus meinen eigenen Erfahrungen als Vater mitgeben zu dürfen.

Und auf all den Fotos trägt der Kleine unseren Wickelbody. So bleibt dieses Kleidungsstück für immer mit ihrem gemeinsamen Anfang verbunden.

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