Dieses Wochenende stand bei uns der Cozy Pocket-Sweater im Mittelpunkt. Und er hat sich gut verkauft. Richtig gut. Besser als erwartet.
Normalerweise würde ich jetzt schreiben: Danke für euer Vertrauen. Und das stimmt natürlich auch. Aber mich beschäftigt noch etwas anderes.
In den vergangenen Monaten habe ich immer wieder Nachrichten bekommen, die mit dem Verkaufen selbst wenig zu tun haben. Mütter schreiben mir, dass sie eine Skinny Pants geflickt haben, weil ihr Kind sie einfach nicht hergeben wollte. Eine Familie schickt ein Foto von einem Babauba Shirt, das inzwischen das dritte Geschwisterkind trägt. Und eine Kundin schreibt:
„Auch nach dem hundertsten Waschgang: Die Farben sind immer noch da.“
Babauba Kundin, Umfrage 2026
Kleidung ist persönlicher, als wir denken
Ich habe mich gefragt: Warum ist das so? Warum hängen wir an bestimmten Kleidungsstücken, während andere nach einer Saison aus unserem Leben verschwinden?
Die Antwort ist einfach, aber wir reden selten darüber: Kleidung trägt Erinnerungen. Nicht abstrakt, sondern ganz konkret.
Da ist der Pullover, den dein Kind trug, als es zum ersten Mal ins Herbstlaub sprang. Die Hose, die so oft gewaschen wurde, dass der Stoff heute weicher ist als am Anfang. Oder das Shirt mit dem kleinen Fleck, bei dem du noch genau weißt, wann und wo er entstanden ist.
Wir hängen nicht nur am Stoff. Wir hängen an dem, was darin passiert ist.
Michelle Duchow beschäftigte sich 2021 in ihrer Bachelorarbeit Emotional Clothing an der Fachhochschule Potsdam mit den Gefühlen, die beim Kaufen und Tragen von Kleidung entstehen. Ihre Arbeit fragt danach, wie eine gesunde und langlebige Beziehung zu Kleidung wachsen kann. Der dazu entstandene Film stellt die emotionale Bindung zwischen Mensch und Kleidungsstück der Schnelllebigkeit von Mode gegenüber.
Das klingt zunächst nach Designforschung. Im Alltag ist es aber genau das, was alle kennen, die schon einmal versucht haben, das Lieblingsshirt eines Kindes in die Altkleidertüte zu packen – und es kurz darauf wieder herausgeholt haben.
Kintsugi: Bruchstellen nicht verstecken
Kintsugi ist eine japanische Reparaturtechnik für Keramik. Zerbrochene Stücke werden mit Lack wieder verbunden; Goldlack hebt die reparierten Stellen sichtbar hervor, anstatt sie zu verbergen. Die Reparatur gehört damit erkennbar zur Geschichte des Gegenstands.
Ich mag diesen Gedanken. Nicht nur für Keramik, sondern auch für Kinderkleidung.
Genau hier setzt Visible Mending an: Löcher, Risse oder dünn gewordene Stellen werden nicht möglichst unsichtbar ausgebessert. Buntes Garn, auffällige Stiche oder ein bewusst gewählter Flicken machen die Reparatur zum Teil des Designs.
Die Botschaft dahinter ist einfach:
Ich habe dieses Stück repariert, statt es wegzuwerfen. Es ist mir etwas wert.
Die Kleidungshistorikerin und Visible-Mending-Künstlerin Kate Sekules beschreibt Kleidung als etwas Persönliches, das Erinnerungen weckt. Wenn wir ein Stück bearbeiten und weitertragen, vertieft sich diese Verbindung – und das Kleidungsstück bedeutet uns noch mehr.
Sichtbar repariert statt versteckt entsorgt
Visible Mending ist mehr als ein Handarbeitstrend. Es ist eine Haltung, die ältere Reparaturtraditionen aufgreift und neu sichtbar macht.
Eine davon ist Sashiko: eine japanische Technik aus einfachen Vorstichen, mit denen Stoffe ausgebessert und verstärkt wurden. Auf traditionellen Kleidungsstücken ziehen sich die Stiche teilweise über große Flächen. Zusammen mit neuen Stofflagen erzählen sie von einem langen Leben aus Gebrauch, Reparatur und Weiterverwendung.
Auch in Großbritannien hatte das Reparieren von Kleidung eine öffentliche Geschichte. Während des Zweiten Weltkriegs rief die britische Regierung mit Make Do and Mend dazu auf, vorhandene Kleidung länger zu nutzen. Eine 1943 veröffentlichte Broschüre gab praktische Hinweise zum Pflegen, Reparieren und Umarbeiten, weil Textilien rationiert waren.
Was damals aus Notwendigkeit geschah, kann heute eine bewusste Entscheidung sein. Denn ein längeres Leben macht bei Kleidung einen messbaren Unterschied: Die britische Organisation WRAP schätzt, dass neun zusätzliche Monate Nutzungsdauer den CO2-, Wasser- und Abfallfußabdruck eines Kleidungsstücks um bis zu 20 % reduzieren können.
Neun Monate. Das ist weniger als ein Schuljahr.
Was uns unsere Kundinnen und Kunden zeigen
Ich bekomme regelmäßig Fotos von Babauba Kleidung, die nicht mehr neu aussieht: weicher gewordener Stoff, verblasste Stellen oder kleine Reparaturen. Die Familien schicken diese Bilder nicht als Beschwerde. Sie schicken sie mit Stolz.
„Kann vererbt werden.“
Babauba Kundin, Umfrage 2026
„Wiederverkaufsmöglichkeit.“
Babauba Kundin, Umfrage 2026
„Die einzigen Jogginghosen, die meinem Sohn passen.“
Babauba Kundin, Umfrage 2026
In unserer letzten Umfrage waren „die bunten und besonderen Designs“ für 44 % der Befragten der Hauptkaufgrund. Mehr als die Prozentzahl haben mich jedoch die freien Antworten berührt.
Eltern schreiben über Momente, nicht nur über Produkte. Über den Tag, an dem ihr Kind stolz im Kindergarten stand, weil es „das bunte Shirt“ trug. Oder über die ältere Schwester, die der jüngeren ihre Lieblingshose mit den Worten übergab: „Pass gut auf die auf.“
Das sind keine gewöhnlichen Produktbewertungen. Das sind Familiengeschichten.
Zurück zum Cozy Pocket-Sweater
Und damit bin ich wieder bei diesem Wochenende.
Ein Cozy Pocket-Sweater ist zunächst nur ein Pullover: weicher Stoff, warme Farben, ein bequemer Schnitt. Ein Produkt. Ein Artikel in einem Onlineshop.
Doch schon in ein paar Wochen wird er für manche Familien etwas anderes sein. Der Pullover, den ein Kind im Herbstwald trug und dessen Taschen mit Blättern, Kastanien und Steinen gefüllt waren. Der Pullover, in dem es auf dem Sofa eingekuschelt eine Geschichte vorgelesen bekam. Oder der Pullover, der irgendwann an das Nachbarskind weitergegeben wird, weil noch viele Abenteuer in ihm stecken.
Vielleicht taucht er in drei Jahren auf einem Foto auf. Und jemand sagt: „Den hatten wir auch. Erinnerst du dich?“
Genau das wünsche ich mir: dass die Pullover, die wir verkaufen, ein langes Leben haben. Voller Erinnerungen, voller Grasflecken und voller Geschichten. Und dass jemand, wenn sie irgendwann wirklich am Ende sind, sagen kann: „Der hat uns gut begleitet.“
Eure Geschichten, nicht unsere
Mein Traum ist, dass die Stücke, die bei euch ankommen, Geschichten erzählen. Nicht die Geschichten, die wir als Marke vorgeben, sondern eure.
Dass ein Babauba Shirt nicht nur ein Artikel für einen Sommer ist, sondern ein Begleiter. Einer, der geflickt wird, wenn es nötig ist. Der weitergegeben wird, wenn er zu klein geworden ist. Der über eine Secondhand-Plattform eine zweite Familie findet. Und der Jahre später auf Fotos erscheint – als Erinnerung an eine Zeit, die nicht zurückkommt.
Vielleicht ist das naiv für jemanden, der Kleidung verkauft. Vielleicht sollte ich mir wünschen, dass die Sachen möglichst schnell kaputtgehen, damit ihr neue bestellt.
Aber so denke ich nicht. Und so funktioniert Babauba nicht.
Kleidung bewahrt Erinnerungen. Und Erinnerungen sollten lange halten.
Danke
An alle, die dieses Wochenende bestellt haben: Danke.
An alle, die ihre Babauba Sachen so tragen, weitergeben und reparieren, dass sie Geschichten erzählen: Danke.
Quellen und weiterführende Links
- Duchow, M. (2021): Emotional Clothing. Bachelorarbeit im Kommunikationsdesign, Fachhochschule Potsdam.
- Bard Graduate Center: Visible Mending with PhD Candidate Kate Sekules.
- The Metropolitan Museum of Art: Kintsugi als sichtbar hervorgehobene Reparatur.
- Museum of Far Eastern Antiquities: Stitch after stitch – Japanese boro and traditional workwear.
- Imperial War Museums: Make Do and Mend.
- WRAP: Extending Product Lifetimes – Clothing Durability.

