Zum Inhalt
Kostenloser Versand ab 59 €
30 Tage Rückgaberecht
Sichere Zahlung
Trusted Shops Käuferschutz

Warum „Kopf hoch“ manchmal der schlechteste Rat ist (und was das mit Zuhören zu tun hat)

Letzte Woche bin ich über einen Begriff gestolpert: toxische Positivität. Mein erster Gedanke war: Was ist das schon wieder für ein Modewort?

Dann habe ich mich eingelesen. Und gemerkt: Das ist kein Modewort. Das ist etwas, das ich kenne. Aus Gesprächen, aus Meetings, aus dem Alltag. Ich hatte nur kein Wort dafür.

Toxische Positivität ist, wenn jemand dir von einem Problem erzählt und du sofort antwortest: Kopf hoch. Sieh es positiv. Alles hat einen Sinn. Andere haben es schlimmer.

Genau das machen wir im Alltag auch. Jemand erzählt dir, dass es gerade schwer ist. Und statt zuzuhören, sagst du: Hast du mal ein Dankbarkeitstagebuch probiert? Fokussier dich doch auf das Positive. Wir sind so gut darin geworden, anderen Menschen zu sagen, dass sie stark sein sollen, dass wir sie gar nicht mehr fragen, warum sie überhaupt so viel Stärke in ihrem Leben zeigen müssen.

Natürlich meinen wir es gut und wollen helfen, indem wir etwas Positives sagen. Aber niemand erwartet jedes Mal eine sofortige Lösung, wenn er von einem Problem erzählt. Manchmal hilft es schon, sagen zu können, was uns beschäftigt, während jemand zuhört.

Der Druck, immer funktionieren zu müssen

Positivität ist nicht das Problem. Positivität ist wichtig. Aber das Problem fängt da an, wo jemand dir sagt, dass es ihm schlecht geht, und du so reagierst, als hätte Überforderung eine Regel gebrochen.

Franz Himpsl und Judith Werner haben darüber ein ganzes Buch geschrieben („Danke, nicht gut“, Kösel-Verlag). Sie beschreiben darin genau diesen Druck, immer funktionieren und dabei auch noch gute Laune haben zu müssen. Übertragen auf unseren Elternalltag kennen wir das alle: Du hast seit drei Wochen nicht durchgeschlafen, das Kind zahnt, der Haushalt stapelt sich und du bist mental einfach komplett am Ende. Du erzählst das, und die Antwort lautet: „Genieß die Zeit, sie werden ja so schnell groß!“ oder „Sei doch einfach dankbar, dass du gesunde Kinder hast.“

Nicht, weil Dankbarkeit falsch wäre. Sondern weil es in diesem Moment signalisiert: Deine Erschöpfung hat hier keinen Platz. Als müsste man selbst im anstrengendsten Moment noch Haltung bewahren und allen zeigen: Ich habe das im Griff.

Das Paradox des Glücks

Die Psychologin Iris Mauss hat 2011 etwas herausgefunden, das mich wirklich fasziniert hat. Sie nennt es das Paradox des Glücks. Kurz gesagt: Menschen, die Glück als besonders wichtig betrachten und krampfhaft danach streben, erleben Glücksgefühle anschließend deutlich weniger intensiv. Wer die ständige Positivität auf ein Podest hebt, wird unweigerlich von seinen eigenen Gefühlen enttäuscht.

Was hat das alles mit Babauba zu tun?

Nicht viel und gleichzeitig alles. Wir bekommen jeden Tag Nachrichten von Eltern. Feedback, Kritik, Wünsche, Frust. Und ja, als Unternehmen kann ich nicht auf jede einzelne Meinung reagieren. Wirtschaftlich muss ich Entscheidungen treffen, die nicht allen gefallen.

Aber ich gebe mir Mühe, Themen nicht wegzumoderieren.

Wenn eine Mutter schreibt, dass die Größe einer Hose nicht passt, sage ich nicht: „Schau mal auf unsere Größentabelle.“ Ich frage: „Was genau passt nicht?“ Wenn jemand schreibt, dass ein Lieblingsmuster fehlt, sage ich nicht: „Wir haben doch so viele andere schöne.“ Ich höre zu.

Nicht, weil ich darin perfekt bin. Ich tappe oft genug selbst in die Falle, schnelle Lösungen anbieten zu wollen. Aber ich glaube fest daran, dass echtes Zuhören das absolute Mindeste ist, was wir einander schuldig sind – im Geschäftsleben genauso wie privat.

Wir müssen nicht immer sofort einen klugen Ratschlag oder einen positiven Spruch auf den Lippen haben. Manchmal reicht es, einfach vierzig Sekunden lang nichts zu sagen. Und einfach da zu sein.

Noch besser ist es, wenn wir konkret helfen: die junge Mutter besuchen und etwas kochen oder die Kids für ein paar Stunden nehmen. Tee kochen, Grießbrei machen, Müll rausbringen. Nicht nur fragen: „Was kann ich tun?“ Sondern etwas tun. Kleinigkeiten haben eine große Wirkung.

Vorherigen Post Nächster Beitrag