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Die Aubergine-Softshelljacke. Was der Tag der Deutschen Einheit mit einem Jungen in einer Aubergine-Jacke zu tun hat.

Die Aubergine-Softshelljacke. Was der Tag der Deutschen Einheit mit einem Jungen in einer Aubergine-Jacke zu tun hat.

Am 3. Oktober war Tag der Deutschen Einheit. Das Motto dieses Jahr: „Viele Stärken, ein Land.“
Ich habe den Satz gelesen und an etwas ganz anderes gedacht als an Politik.

Ich habe an Familien gedacht. An Kinder. An den Moment morgens im Kinderzimmer, wenn drei Geschwister vor dem Kleiderschrank stehen. Einer greift zum Dinosaurier-Shirt. Eine zur Blumenbluse. Der dritte will die Feuerwehr-Hose. Drei Kinder, drei Stärken, drei Persönlichkeiten.

Und dann habe ich weitergedacht. Über die Frage: Was hinterlassen wir eigentlich dieser Generation?

Vor 36 Jahren ist zusammengekommen, was jahrzehntelang getrennt war. Menschen haben dafür gekämpft, demonstriert, riskiert. Nicht für sich selbst. Für ihre Kinder. Für eine Zukunft, die sie sich vorstellten, aber nicht garantieren konnten. Denken wir heute noch so?

Früher haben Menschen Kathedralen gebaut, die sie selbst nie fertig sehen würden. Der Kölner Dom: 1248 begonnen, 1880 fertiggestellt. 632 Jahre. (Mir ist völlig klar, dass dieses Beispiel ein wenig hinkt, weil viele der Arbeiter damals schlichtweg von mächtigen Auftraggebern dazu gezwungen wurden – aber der philosophische Gedanke dahinter bleibt spannend.) Die Menschen, die das Fundament gegossen haben, wussten, dass erst ihre Ur-Ur-Ur-Enkel das fertige Bauwerk betreten würden. Und das Fundament wurde trotzdem gegossen.

Der Philosoph Roman Krznaric nennt das „Cathedral Thinking“. Denken in Generationen, nicht in Quartalen. In seinem Buch „The Good Ancestor“ schreibt er: „We are experiencing a crisis of perspective. Our time horizons are shrinking to seconds and minutes...“ – wir haben eine tiefe Krise der Perspektive. Unsere Zeithorizonte schrumpfen auf Sekunden und Minuten, während wir eigentlich einen weiten, langfristigen Blick bräuchten. Wir suchen im Alltag schnelle Lösungen, schnelle Bestätigung, schnelle Erfolge.

Dabei ist Kindererziehung genau das Gegenteil: ein Generationenprojekt. Wir ziehen hier die Erwachsenen von morgen groß. Und trotzdem: Was bringen wir unseren Kindern in unserem schnelllebigen Alltag oft bei? Nicht auffallen. Sich anpassen. Dezent, grau und beige sein.

Letzte Woche hat mir eine Mutter geschrieben, ob wir die Softshell-Jacke auch in „neutraleren Farben“ hätten. Ihr Sohn hatte sich die in Aubergine mit dem Muster Hoots ausgesucht. Sie fand es toll. Ihr Mann fand: Aubergine ist zu nah an Pink für einen Jungen.

Ich habe mich gefragt: Was bringen wir diesem Jungen bei, wenn wir ihm die Jacke wegnehmen, die er sich selbst ausgesucht hat? Dass seine eigene Entscheidung weniger zählt als eine Farbregel, die sich irgendwann mal jemand ausgedacht hat?

Die Zukunft braucht keine Kinder, die nur nicken. Die Zukunft braucht Kinder, die Fragen stellen, die unbequem sind, die bunt sind in jeder Hinsicht. Kinder, die eine Aubergine-Jacke tragen, wenn sie ihnen gefällt. Oder eine pinke. Oder eine mit Dinosauriern. Nicht, weil wir es ihnen erlauben, sondern weil sie es selbst entschieden haben.

Unsere Softshell-Jacken gibt es in Farben, die Kinder wählen, nicht in Farben, die Erwachsene für angemessen halten.

Vielleicht ist die wichtigste Frage nicht: Was hinterlassen wir unseren Kindern? Sondern: Welche Kinder hinterlassen wir der Welt?